Zwischen Tönen, Texten und Teilhabe
Von Emma Klattenhoff
Münster – In kreativen Formaten – von Theater bis Medienkritik – setzten sich Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren mit und ohne Migrationsgeschichte seit 2022 aktiv mit Demokratie auseinander. Das Ergebnis zeigten sie am Samstag mit einer Revue.

Cactus Junges Theater fand kreative Wege, um für Gemeinschaft und Rücksichtnahme zu plädieren. Foto: Emma Klattenhoff
Was bedeutet eigentlich Demokratie jenseits von Wahlkabinen und Verfassungsartikeln? Vielleicht: gemeinsam leben, Unterschiede feiern, zuhören und versuchen zu verstehen – auch wenn es manchmal schwer fällt. Das ist zumindest ein Teil der Antwort, die das Cactus Junges Theater auf diese Frage gefunden hat.
In ihrer Outdoor-Revue „wir feiern demokratie“ zeigten insgesamt 35 Jugendliche und Erwachsene am Samstagabend, wie sehr sie die Demokratie lieben – aber auch vor welchen Schwierigkeiten sie stehen. Im Zentrum der Aufführung stand die Frage: Wie können wir die Verbindung zwischen unterschiedlichen Gruppen (wieder) herstellen?
Jahrelanges Projekt
In Kooperation mit der Jugendtheater-Werkstatt und der Villa ten Hompel hat Cactus Junges Theater ein Demokratisierungsprojekt entwickelt und auf den Weg gebracht. Seit 2022 fanden verschiedene Workshops, Theatergruppen und Veranstaltungen unter dem Motto „wir machen demokratie“ statt. In kreativen Formaten – von Theater bis Medienkritik – setzten sich Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren mit und ohne Migrationsgeschichte aktiv mit Demokratie auseinander.
Das Ergebnis dieser jahrelangen Auseinandersetzung mit dem Thema Demokratie: die etwa einstündige Revue, die ganz unterschiedliche Facetten eines demokratischen Zusammenlebens zeigte. Vor circa 120 Personen stellten die Cacteen – Jugendliche und Erwachsene des jungen Theaters – die Themen, die sie bewegen, nicht nur szenisch, sondern auch musikalisch dar.
Die Darbietung auf dem Platz des Westfälischen Friedens regte zum Nachdenken an. Es schilderten Jugendliche mit Migrationsgeschichte, wie es ist, in Deutschland anzukommen, aber sich noch nicht zu Hause zu fühlen. Trotz aller Herausforderungen zeigten sie sich hoffnungsvoll, dass gemeinsame Lösungen möglich sind, damit sich alle Menschen in Deutschland wohlfühlen. „Wir müssen unsere Unterschiede feiern“, appellierten sie an ein ergriffenes Publikum.
Zwischen Schmunzeln und Nachdenklichkeit
Mit Humor und Tiefgang thematisierte das Ensemble soziale Ungleichheit und Diskriminierung – ohne dabei an Ernsthaftigkeit zu verlieren. So war das Publikum oft zwischen Schmunzeln und nachdenklichen Mienen gefangen. Doch durch die immer wiederkehrende Integration der Zuschauenden wurde auch die letzte gerunzelte Stirn wieder aufgehellt.
Die Aktualität und Wichtigkeit des Projekts wurde auch vor Beginn der Aufführung durch den Schirmherren des Projekts, den Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe, betont: „Demokratie kann nur funktionieren, wenn ganz viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen.“
Begegnung, Vielfalt und gemeinsames Handeln
Die Revue war dafür das perfekte Beispiel. Nur ein Wochenende hatte die gesamte Gruppe gemeinsam geprobt. Aus verschiedenen Theater- und Musikgruppen, Ensembles und Trainingsgruppen trafen die 35 Cacteen zusammen und schufen unter der Regie von Judith Suermann ein rundes und anregendes Stück, das durch die spannende Mischung aus szenischen Fragmenten, musikalischen und chorischen sowie Lesungselementen bestach.
Ganz nach dem Motto ihrer Revue lud das Ensemble nach dem Stück das gesamte Publikum auf ein Getränk ein: „Lasst uns über Demokratie sprechen.“ Der Platz des Westfälischen Friedens wurde so zum Symbol für das, worum es in der Demokratie geht: Begegnung, Vielfalt und gemeinsames Handeln.